Sehnsucht

“Sehnsucht” – Ein Film von Valeska Grisebach

Normalität, Romantik, Ausbruch aus dem Leben, Beziehungschaos und persönliche Findung – darum geht es in dem Film „Sehnsucht“ der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach. Mit unbekannten, größtenteils aus dem Laienbereich kommenden Darstellern hat die Nachwuchsregisseurin einen Film produziert, der so Manchen den Spiegel vorhält und ins Grübeln bringt, ohne dabei jedoch düster oder spröde zu wirken.

Sehnsucht – Inhalt

Markus ist ein junger Mann in den Dreißigern, der mit seiner Frau Ella in dem beschaulichen Dörfchen Zühlen mit 200 Einwohnern in Brandenburg lebt. Die beiden kennen und lieben sich seit Jugendzeiten und führen eine liebevolle und vorbildliche Ehe. So harmonisch und ausgeglichen, dass ihre Bekannten das Ganze schon fast misstrauisch beäugen.

Markus ist von Beruf Schlosser und aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr des Dorfes. Eines Tages erreicht er als Ersthelfer einen Autounfall. Markus hat zum ersten Mal mit einem Schwerverletzen und einer Toten zu tun. Im Nachhinein erfährt er, dass es kein Unfall, sondern ein Selbstmordversuch war. Er kommt ins Grübeln, ob er mit seiner Hilfe in das Schicksal des Paares eingegriffen hat. Selbstzweifel plagen ihn und bringen sein bisher so perfektes Weltbild ins schwanken.

Bei einem Ausflug mit der Freiwilligen Feuerwehr wird abends tüchtig gefeiert, gelacht, getanzt und natürlich auch getrunken. Markus, der dies nicht gewohnt ist, turtelt mit der Kellnerin Rosa herum. Der nächste morgen beginnt für Markus nicht nur mit einem schweren Kopf, sondern auch in einer ihm unbekannten Wohnung. Er erinnert sich nur bruchstückhaft an den vergangenen Abend. Der grundsolide Markus, der liebende und treu sorgende Ehemann, hat seine erste Nacht mit einer fremden Frau verbracht. Rosa. Verstört und gleichzeitig fasziniert wird Markus klar, dass es neben seinem wohlgeordnetem Leben noch etwas andres gibt, was er bislang nicht kannte. Ausgelöst durch den Verkehrsunfall wird ihm die Endlichkeit des Lebens bewusst und der eigene Wert in dieser Welt. Er stürzt sich in eine Dreiecksbeziehung, von der er glaubt, fast schon kindlich naiv zu nennen, dass seine Affäre mit Rose nichts mit seiner Liebe zu seiner Frau Ella zu tun hat. Wie ein Spielball der Kräfte ist er hin und her gerissen zwischen den zwei Frauen und steuert langsam, aber ungebremst in sein persönliches Chaos. Er versucht zwar, Rosa zu vergessen, kommt aber nicht aus der Situation, die er selber geschaffen hat, wieder heraus.

Seine Frau Ella, die stundenweise als Haushaltshilfe arbeitet und im örtlichen Chor singt, bemerkt die Verhaltensänderungen von Markus zuerst nicht. Jedoch wird ihr im Laufe der Zeit klar, dass ihr Mann sich verändert hat. Intuitiv spürt sie, dass Markus sich innerlich immer weiter von ihr entfernt. Gerade hierdurch fühlt sie sich noch stärker zu Markus hingezogen. Die Verstrickungen gehen weiter, Markus bemerkt nicht, dass ihn sein eigenes Leben schon lange überrollt hat.

Das Ende des Filmes nimmt eine unerwartete Wendung und ist schon fast überromantisch zu nennen.

Die Regisseurin

Die Regisseurin Valeska Grisebach erzählt die Geschichte von Markus und dem Ausbruch aus seinem soliden Leben schnörkellos und nüchtern. Fast schon beängstigend real zeigt sich das Geschehen. Eine Geschichte, wie sie hundertfach vorkommen kann und trotzdem streckenweise philosophisch wirkt. Grisebach will mit ihrem Werk keineswegs den moralischen Zeigefinger heben, jedoch aufzeigen, wie schnell ein ganz normales Leben einen plötzlichen und unerwarteten Verlauf nehmen kann.